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Seo in Seenot
Von Uwe | 1.Juli 2008
Ein Surf Tag auf der Insel Föhr wie aus dem Bilderbuch. Die Bäume schwanken im Wind (also so Windstärke 6-7) hin und her, die Strandbesucher haben den Strand wegen ständiger Sandstrahlung schon länger verlassen und den kleineren Vögeln ist es zu stürmisch zum fliegen.
Also schnell das Windsurfbrett vom Autodach geholt, das Segel aufgebaut und raus aufs offene Meer. Anfänger sollten bei diesem Wetter nicht unbedingt surfen da der Wind vom Strand weg auf das offene Meer bläst und die Strömung Treibgut an der doofen Insel vorbei auf das offene Meer hinaus schwemmt.
Aber für einen gestandenen Seo mit über 15 Jahren Surferfahrung sollte dies eigentlich nur eine Menge Spaß bedeuten. Die ersten beiden Fahrten raus aufs Meer und zurück gingen auch ganz gut, der Wind peitschte das Surfboard über die Wellen und hinter mir spritzte die Gicht in hohen Bogen. Ok, eine letzte Fahrt noch. Diesmal aber besonders weit hinaus. Der Wind wurde noch etwas stärker und ich fand einfach kein Ende um die Wende zurück zum Ufer einzuleiten. Die Wellen erreichten mit 1.5 Meter Höhe auf dem offenen Meer auch eine interessante Höhe, das überfliegen mit dem Surfboard brachte immer einen super Kick. Als dann jedoch auf die Hauptschiffahrtslinie zufuhr leitet ich langsam die Wende ein.
Platsch. Beim wenden erwischte es mich dann und ich flog mal schön so 10 Meter durch die Luft. Kein Problem, aufs Surfbrett geklettert und den Mast aus dem Wasser gezogen. Durch den starken Wind der mir aufs Segel drückte war dies gar nicht so einfach. Also fester gezogen. Und noch etwas fester. Und da passierte es.
Der Mastfuß riss in der Mitte auseinander. Peng. Damit wurde das Windsurfen unmöglich.
Der einzigste Ausweg bestand also darin zum Ufer zurückzurudern. Da ich mein Segel nicht verlieren wollte versuchte ich es auf dem Meer zusammenzurollen. Bei 15 Grad Außentemperatur und den inzwischen 2 Meter hohen Wellen gar nicht so einfach. Ich flog dabei so ca. 5 mal ins Wasser oder besser gesagt in das Quallenverseuchte Wasser. Nachdem ich endlich alles auf das Board geladen hatte versuchte ich in Richtung Ufer zu rudern. Leider ist die 3 Meter hohe Boje der Schiffahrtslinie inzwischen beträchtlich näher gekommen da durch den starken Wind und die Strömung ein sehr großer Abtrieb herrscht (natürlich raus aufs offene Meer). Das rettende Ufer war also ca. 1 km entfernt. Naja, nach ca. 50 krampfhaften Paddelversuchen (das Segel benötigte einfach zu viel Platz und bot dem Wind auch zusammengerollt noch zu viel Angriffsfläche) musste ich eine sehr schmerzhafte Entscheiden treffen: Adieu mein Segel und Rick, die Zeit war schön mit euch aber ich muss jetzt meine eigene Haut retten. Da trieb es also verdammt schnell davon. Nein!
Da das Segel mit dem Rick ja komplett im Wasser war war ich es mit dem Surfboard der so schnell davon trieb. Verdammt was für eine Strömung und ein Wind hinaus aufs offene Meer. Schon doof wenn an der Nordsee gerade die Ebbe einsetzt.
Also aufs Board gelegt und versucht Richtung Ufer zu paddeln. Aber was war das? Wenn ich gerade aus paddeln wollte drehten mich die Wellen immer mit der Spitze aufs Meer. Also nur mit der rechten Hand gepaddelt. Irgendwie ging zeigte aber die Scheiss Spitze vom Surfboard immer wieder an der Insel vorbei… Nachdem ich 2-3 mal liegend vom Brett gespült wurde überlegte ich erst mal. Was kann passieren: Ok, der Sturm kann stärker werden, ich werde weiter aufs Meer hinaus gespült und die Wahrscheinlichkeit mich zu finden wird immer geringer …
Nicht gut. Ok, mir ist jetzt schon – da ich keinen Neopren Anzug trage – schon arg kalt. das zieht einem die Kraft aus dem Körper. Auch nicht gut. Aber immer hin habe ich ja eine Regendichte rote Regenjacke – welche noch eine entscheidende Rolle spielen soll – an.
Also, wenn das Brett immer in die falsche Richtung gedreht wird muss ich noch entschiedener entgegensteuern. Also: Ich verlagere durch meine Körpergewicht das Brett auf die eine Seite wodurch es zwar schief im Wasser liegt aber eine größere Führung bekommt. Dieser Ansatz funktionierte halbwegs. Nach ca. 20 Minuten paddeln war ich schon mal nicht weiter aufs Meer hinausgetrieben, ich hatte sogar den Eindruck etwas näher an den Strand zu kommen. Nun wurde aber meine Nackenmuskulatur langsam lahm, da ich zum navigieren ja den Kopf heben musste. Also eine neue Taktik: Ich leg den Kopf den Wellen abgewandt auf das Brett und versuche durch den oberen Mundwinkel zu atmen (Wenn mal gerade keine Welle über das Board schwappt). Dies ging auch noch mal so 20 Minuten lang gut. Inzwischen spürte ich meine Arme eigentlich gar nicht mehr, die Züge wurden immer ungenauer und oft fehlte die Kraft um den Arm rechtzeitig für den nächsten Zug aus dem Wasser zu heben. Dadurch bremste die ganze Fuhre wieder ab bzw. wurde wieder ein Spiel der Naturgewalten. So ein Scheiss.
Also: Wieder anhalten, neue Taktik überlegen. Dazu erst einmal auf das Brett gesetzt. Ist zwar Windtechnisch nicht so gut da ich wieder auf das Meer getrieben wurden aber: Ich wollte mich umschauen ob nicht irgendwo ein Boot in der Nähe war. Und tatsächlich: Weit weit weg am Ufer fuhr ein Surfboard in meine Richtung! Oder kam es mir nur so vor? Egal. Schnell die Arme über dem Kopf hin und her gekreuzt – hatte in Erinnerung das dies das See Not Signal ist – und gehofft.
Und ja – das Surfboard kam Näher. Durch den starken Wind kam es verdammt schnell Näher, schoss an mir vorbei und – plumps – der Surfer landete im Wasser. Verdammt.
Kann der überhaupt Surfen? Egal. Er kam dann doch relativ schnell zu mir und fragte: Hast du einen Tampen (Seil) dabei. Natürlich nicht. Ok. Wir waren auf dem Offenen Meer, er hatte einen Sinker (Ein Surfboard welches bei Windstille in das Wasser sinkt) und ich ein langes altes Brett. Sein Segel passte natürlich nicht auf mein Board. Was tun? Und jetzt kam das geniale. Ich rutschte auf meinem Brett ganz weit nach vorne, er setzt seinen Sinker neben mich sodass ich die Spitze festhalten konnte. Dann stellte er sich auf mein Boar und nahm das Segel von seinem parallel danebenliegenden Brett. So schafften wir es langsam Richtung Ufer zu kommen. Dabei schluckte ich erhebliche Mengen Salzwasser und bekam vor Kälte fast Schüttelfrost. Aber wir kamen immer näher bis ich endlich wieder am Strand war.
Was für ein Gefühl wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
Und die Moral von der Geschichte?
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Nehme immer einen zusätzlichen Tampen mit zum surfen. Damit kann man sich abschleppen lassen oder sogar Schäden notdürftig reparieren.
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Nehme ein Handy in einem wasserfesten Beutel mit. Wenn du keines hast und erst einmal auf dem offenen Meer 5-10 Km getrieben bist findet dich kein Mensch mehr. Und das kann schnell passieren.
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Sage bescheid wie lange du surfen willst und das wenn dein Segel länger als 10 Minuten nicht mehr gesehen wurde Hilfe geholt werden soll.
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Topics: Action | 13 Kommentare »


1.Juli 2008 at 21:48
Schon ganz schön verrückt ohne Neopren im offenen Meer rumzuplanschen. Erfahrung macht leichtsinnig.
Gute Erzählung, wird bestimmt jedes mal spannender, wenn sie von neuem erzählt wird. 
Wäre hier auch ganz schön langweilig geworden.
3.Juli 2008 at 00:31
naja, wenigstens hat das Wetter ja gepasst
3.Juli 2008 at 12:03
Hi Uwe,
Vergiss dein Neoprem-Hemd nicht, wie Patrick schon sagte, ist es mehr als verrückt. Denk an deine Kinder
wie Patrick, gute Story…
Ein Glück, dass man, ein erfahrener Surfer ist!!!^^
Ich wünsch dir dann weiterhin viel Spaß im “Großen Plantschbecken”
Gruß Daniel
5.Juli 2008 at 17:29
Man da hat aber einer “Schwein” gehabt.
Also ich hätte dich schon ein wenig vermisst……
Aber du hast es ja überlebt….
6.Juli 2008 at 13:59
@ Alle
Danke danke. Ja das ständigfe surfen im www läßt einen schon leichtsinnig werden wenn es mal ins richtige Wasser der Nordsee geht. Wobei der Surflehrer der mich rettete ja meine rote Regenjacke so gelobt hatte die ich anhatte. Ohne dieser Jacke hätter er mich nicht gesehen ..
6.Juli 2008 at 21:35
Hey Uwe, ich kann Dir 2 Sachen sagen:
Föhr ist eine geile Insel, wo hast Du da gesurft? Direkt in Wyk Höhe Wellenbad?
2. Sache: Meine Freundin surft und ihr ist selbiges passiert, jedoch am Fehmarner Südstrand. Sie hat allerdings erst 1 Jahr Surferfahrung.
Ich will es diesen Sommer vielleicht einmal mit Kitesurfen versuchen.
Alles gute zum 2. Geburtstag
.
Gruss
Nils
8.Juli 2008 at 16:14
Menno, du machst Sachen. Hätte dich beim nächsten Treffen vermisst. Mich hätte es ja vor ein paar Jahren fast beim Wildwasserpaddeln auf der Soca erwischt, als ich unter Wasser eingeklemmt war – ich sag dir, ertrinken fühlt sich gar nicht lustig an. Und auch einige Jahre Erfahrung bewahren einen nicht vor einer Verkettung dummer Zufälle.
8.Juli 2008 at 16:27
Hi Frank,
die Geschichte musst du mir beim nächsten Treffen mal erzählen, vielleicht können wir ja noch Tipps austauschen:-) Natürlich wie man nicht ertrinkt… Aber ich kann nachvollziehen was du meinst.
22.Juli 2008 at 10:36
Das beruhigende an der Geschichte war ja, dass man während dem Lesen davon ausgehen kann dass sie ein Happy End hat – wer hätte sie sonst auf dem Blog veröffentlichen sollen?
Aber spannend zu lesen ist es allemal… wär ja echt schade um dich gewesen!
6.August 2008 at 20:51
Wow, bin ich froh dass mir so etwas noch nicht passiert ist. Und dass du da heil wieder rausgekommen bist! Ebenfalls von mir noch Herzlichen Glückwunsch zum 2. Geburtstag Uwe!
6.August 2008 at 20:57
@Alex.
Ach, der 2te Geburtstag ist es nicht ganz. Mir passieren öfters so Sachen. Habe aber nen guten Schutzengel
15.August 2008 at 14:51
Hey,
ich glaube, das was dir da passiert ist, ist der Horror eines jeden Surfers! Ich hatte gerade vorgestern erst nen Mastbruch (allerdings auf einem See; von daher ungefährlich) und da ist mir auch wieder klar geworden, dass man dem Material nicht zu sehr vertrauen sollte; ich gehe deswegen auch eigentlich ziemlich ungern bei ablandigem Wind aufs Meer.
Eine Zeit lang hatte ich auch immer einen “Notfalltampen” dabei, den ich aber noch nie gebraucht habe und deswegen auch nicht mehr bei mir habe, seit ich ein neues Trapez ohne Tasche habe. Aber das werde ich auch bald wieder ändern.
Ich habe mich nur eines bei deiner Geschichte gefragt: Wieso hast du bei den gegebenen Bedingungen nen Schot-Start versucht?
Gruß
19.August 2008 at 11:02
@Marky
da ich ja eh nur ne Windjacke anhatte wollte ich nicht so lange im Wasser liegen. Und ich kann nur einen Schot-Start. Werde aber den Wasserstart bei nächster Gelegenheit mal üben. Bin halt immer nur “großvolumige” Bretter gefahren.