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Urlaubs-Check statt Warndreieck – Atu s verzweifelte Zuckungen
Von Uwe | 5.August 2008
Etwas Offtopic für dieses Blog,
aber bei dem Thema darf man einfach nicht schweigen. Bei der krisengeschüttelten Auto Werkstatt ATU – es sollen mehrere 100 Stellen abgebaut werden – wird in die unterste Werbe Schublade gegriffen um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. In dem aktuellen Werbespot http://www.atu.de/pages/shop/home.html wird das Thema Blackface (Weiß = Reinheit-Phantasien) hergenommen um oberflächliche platte Lacher zu erhaschen und dem Zuschauer das Gefühl zu vermitteln: “Bei ATU bin ich auf der richtigen Seite”. Garniert ist das ganze mit niedlicher Hintergrundmusik.
Hat ATU jetzt die rechtsradikale Szene als neue Zielgruppe entdeckt? Hat mal einer bei ATU daran gedacht wie man sich als Schwarzer dabei fühlen muss? Egal ob man jetzt ein Schwarzer unter Weißen, Protestant unter Katholiken oder Behinderter unter “Normalen” ist. Sobald ein Mensch von dem in der Masse als normal definierten abweicht – egal in welcher Beziehung – wird er zum Aussenseiter. Und bekommt dies deutlich zu spüren. Ein vorher natürlicher alltäglicher Umgang mit den Mitmenschen ist auf einmal nicht mehr möglich. Und dies kann sehr verletzend sein.
Eine interessante Diskussion dazu habe ich auf “der schwarze Blog” gefunden. Dort wird darüber diskutiert ob ein nachempfinden was schwarze bei dieser Werbung empfinden müssen möglich ist oder nicht. Der Kern der Sache ist doch einfach der einer Minderheit anzugehören. Wer einmal als Protestant in Fulda dem sehr katholisch geprägten Religionsunterricht einer Oberstufe beiwohnen durfte weis was ich meine. Ein kleines Beispiel: “Wer nicht an den katholischen Gott glaubt hat keine Gefühle und kann auch kein Mitgefühl anderen Menschen gegenüber empfinden.” Ausgesprochen von einem katholischen Pfarrer, direkt in mein protestantisches Gesicht. So, nun aber genug aus der Mottenkiste erzählt und zurück zum Thema.
Ich kann diese braune Scheiße nicht gutheißen. Und ja – es ist braune rechtsradikale Scheiße die ATU da von sich gibt.
Sehr interessant ist auch wo ATU überall zu werben versucht:
Sehr sinnig auf einem afroamerikanischen Blog mit dieser Werbung über diesem Blogeintrag zu werben. Ok, ich weiß, da wurde Google Adsense gebucht und im Partnernetzwerk von Google geschaltet. Aber dieses Zusammentreffen der beiden Gegensätze ist eben nicht nur Zufall sondern auch irgendwo bestimmend für den falschen Weg den ATU eingeschlagen hat.
Hier noch ein kleiner Spiegel Link der einen Einblick in das Leben eines schwarzen Aussenseiters in Deutschland gibt. Und ja, ich kann jetzt nachempfinden wie sich sowas anfühlen muss.
Ein kleiner Ausschnitt aus dem lesenswerten Artikel:
”
SPIEGEL ONLINE: Erleben Sie im Alltag häufiger große Beschimpfungen oder kleine Unverschämtheiten?
Yango: Manchmal beim Einkaufen in kleinen Läden oder in Restaurants. Die sagen einem, dass man raus gehen muss. Dann ist man schon blamiert, vor allem, weil dann alle Augen auf einen gerichtet sind. Da sagt man einfach nichts mehr und geht. Mir ist das selten passiert, aber von Freunden aus anderen Städten habe ich es öfter gehört.
SPIEGEL ONLINE: Als die Freundin Ihres Dozenten Ende Juni zum Amtsgericht Oldenburg kam und nach dem Prozess fragte, soll ein Mitarbeiter an der Pforte gefragt haben: “Der mit dem Neger?” …
Yango: … das stimmt, einer an der Pforte hat das gesagt. Die Sache ist noch nicht geklärt. Der Richter hatte das zwar angesprochen, was daraus folgt, ist aber offen.
”
Einige Adressen:
Der Clip stammt von Heye / München
Linrupstraße 16
80335 München
Tel.: +49 89 665321900
Fax: +49 89 665321910
info@heye.de
Verantwortliche bei A.T.U Auto-Teile-Unger Handels GmbH & Co. KG sind:
Dr. Dietmar Geppert: Leiter Marketing und Direkt Sales
Hueseyin Dereli: Leiter Kommunikation
Ulla Kraus: Leiter Kommunikation
Ralf Schalkhaußer: Leiter Media
Tel.: +49 800 50 35 470
Fax: +49 961 – 306 5929
Beschwerdemanagement@cc.atu.eu
Kontakt zum Regisseur:
Tel. +49-(0)40- 43 21 61 12
stertz@funke-stertz.de
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Topics: Kritik, soziales | 4 Kommentare »



5.August 2008 at 23:08
Also beim besten Willen, aber man kann auch Rechtsradikalismus versuchen zu sehen, wo keiner ist. Es wird in diesem Spot auf das umgangssprachliche “sich schwarz ärgern” eingegangen, und wenn ich Deiner Interpretation folge, bin ich schon ein Radikaler, wenn ich genau dieses tue, und dann vielleicht auch noch ausspreche?
Ich denke, Du hast hier etwas extrem Mißverstanden, und auch wenn ATU nicht zu den momentanen wirtschaftlichen Aufsteigern gehören mag, wird ein solches Unternehmen nicht mit unterschwelligem Rassismus werben, genausowenig wie die von Dir gleich an den Pranger gestellte Agentur.
Hier eine Rassismus Diskussion zu beginnen, wäre wie den ersten Stein zu werfen. Mir fallen auf Anhieb mindestens 10 aktuelle Werbespots ein, mit denen man dieses Spielchen auch gleich treiben könnte, begonnen beim “Weißen Riesen” und beendet beim “Ferrero Raffaelo – Ganz ohne Schokolade”.
Sorry, aber für mich steht hier fest: Daumen runter!
5.August 2008 at 23:13
Nachtrag: Dann lese ich da noch “Sehr interessant auch, wo ATU überall zu werben versucht”.
Dabei hast Du aber leider übersehen, dass Du in Deinem Screenshot eine AdWords Anzeige von ATU zeigst, die der Betreiber des Forums via Google AdWords bei sich schaltet. Weder der Anzeigenschalter, noch der Provider des eigentlichen Webspace haben hier aber Einfluss darauf, welche Ads wann und wo angezeigt werden. Das regelt einzig ein Algorithmus auf Seiten von Google.
Ich respektiere Deine Sichtweise, aber ich denke, dass Du nur einen Ausschnitt des Ganzen betrachtest, und genau das siehst, was Du gern sehen willst.
6.August 2008 at 00:33
Hallo Jason,
genau folgenden Aussage mit der Verknüpfung der Bilder finde ich so schlimm in dem Werbespot:
“Es wird in diesem Spot auf das umgangssprachliche “sich schwarz ärgern” eingegangen”
Ich fände es nicht schlimm wenn wir uns unterhalten und in einer Aussage von dir “Ich habe mich schwarz geärgert” fällt weil es wirklich Umgangsprachlich ist und dich nicht zum Rechtsradikalen stempelt. Der Ursprung dieser Aussage stammt ja aus dem Mittelalter und bedeutet sich fast zu tode ärgern und bezieht sich auch auf den Verfärbungszustand eines Toten. Hat also nichts mit Rassismus zu tuen.
Der Werbespot suggeriert mir aber ein anderes Bild:
Die Urlaubsheimkehrer haben sich wegen der vielen Pannen an Ihrem Auto – weil sie vorher nicht bei ATU waren – schwarz geärgert – also fast zu tode. Soweit nicht schlimm.
Nur der Gesichtsausdruck der Heimkehrer passt nicht mehr zu dem Spruch “Sich schwarz ärgern” Dieser müsste demenstprechend ja wütend sein. Aber die Heimkehrer schauen eben traurig – weil sie schwarz geworden sind und wegen Ihrer Hautfarbe ausgegrenzt und sogar gemieden werden. Und damit ergibt sich für mich persönlich die Aussage “Ärgere dich ja nicht schwarz wegen deinem kaputten Auto bzw. gehe vorher zu ATU – du wirst als Schwarzer gemieden weil du anders aussiehst.”
Und damit bin ich beim Rassismus. Und die witzige Hintergrundmusik passt auch nicht zu der ursprünglichen Aussage des umgangsprachlichen “Sich schwarz – fast zu tode – Ärgern”. Eher zu: “Schau dir die dummen Leute an – die sind schwarz geworden weil sie nicht bei ATU waren. Schwarz->Dumm, zu belächeln, wer weis ist ist schlauer”.
Ich könnte wunderbar über den Spot Lachen wenn die Hauptdarsteller einfach grün und blau (sich grün und blau ärgern) geworden währen. Aber so hoffe ich einfach das es eine Unachtsamkeit bzw. Dummheit der Macher und Absegner des Spots war die Personen Schwarz erscheinen zu lassen. Deswegen wird sich manch ein Schwarzer in Deutschland in nächster Zeit dumme Witze anhören müssen.
6.August 2008 at 07:59
Hallo Jason,
Du verweist auf das Umgangssprachliche und führst es als Begründung auf, das dies mit Rassismus nichts zu tun haben kann.
Sorry, aber diese Argumentation greift nicht!
Was ist dann damit:
(Text der ersten deutschen Version von F.H. Benary, 1885)
“Zehn kleine Negerknaben schlachteten ein Schwein;
Einer stach sich selber tot, da blieben nur noch neun.
Neun kleine Negerknaben, die gingen auf die Jagd;
Einer schoss den andern tot, da waren’s nur noch acht.
Acht kleine Negerknaben, die gingen und stahlen Rüben;
Den einen schlug der Bauer tot, da blieben nur noch sieben.
Sieben kleine Negerknaben begegnen einer Hex’;
Einen zaubert sie gleich weg, da blieben nur noch sechs.
Sechs kleine Negerknaben gehn ohne Schuh und Strümpf;
Einer erkältet sich zu Tod, da blieben nur noch fünf.
Fünf kleine Negerknaben, die tranken bayrisch’ Bier;
Der eine trank, bis dass er barst, da waren’s nur noch vier.
Vier kleine Negerknaben, die kochten einen Brei;
Der eine fiel zum Kessel rein, da blieben nur noch drei.
Drei kleine Negerknaben spazierten am Bau vorbei;
Ein Stein fiel einem auf den Kopf – da blieben nur noch zwei.
Zwei kleine Negerknaben, die wuschen am Nil sich reine;
Den einen fraß ein Krokodil – da blieb nur noch der eine.
Ein kleiner Negerknabe nahm sich ‘ne Mama;
Zehn kleine Negerknaben sind bald wieder da.”
NA? Nettes liebes Kinderlied? Oder rassistisch?
Würdest Du das deinem Kinde vorsingen?
Du siehst, wie sich braunes Gedankengut in den Alltag einschleicht und gerade hier gilt es Position zu beziehen!
Ließ Dir mal den Brief des Vereins Brauner Mob an ATU durch, da gibt es einiges für Dich zu lernen:
“Sehr geehrte Damen und Herren,
In den letzten Tagen haben wir zahlreiche Nachrichten erhalten von Menschen, die sich besorgt
und –gelinde gesagt- irritiert äußern angesichts Ihrer Werbung „nicht Schwarz vor Ärger aus
dem Urlaub kommen“. Zu Recht, wie wir finden.
ATU legt ganz offensichtlich auf Schwarze KundInnen genauso wenig Wert wie auf Weiße, die
etwas gegen rassistische Traditionen haben.
( http://de.wikipedia.org/wiki/Blackface )
Was bleibt unterm Strich bei den Bildern dieses nur für bestimmte Menschen witzigen Clips hängen?
- Schwarz zu sein ist etwas unerwünschtes, nicht erstrebenswertes, sogar negatives, und ein
Anlass, ein beleidigtes Gesicht zu ziehen
- eine dunkle Hautfarbe stellt einen erheblichen Makel dar, der am Besten sofort “mit Hilfe von
ATU” behoben werden muss
- man darf sich erst dann wieder als zur Gesellschaft gehörig betrachten, wenn die gewünschte
“weiße” Reinheit wiederhergestellt wurde
- Schwarzsein darf wie selbstverständlich als Verkörperung des Schlechten bzw. Unangenehmen
instrumentalisiert werden
- Witze über “Schwarzsein” und “Schwarz-ärgern” sind okay, obwohl wir uns im 21. Jahrhundert
befinden
- Weiße dürfen den rassistischen historischen Kontext ignorieren, der entsteht, wenn Weiße sich
mit Schuhcreme anmalen
Wir zitieren aus dem Buch “Deutschland Schwarz weiß – der alltägliche Rassismus” (C.
Bertelsmann 2008):
„Film und Theater in Deutschland bedienen sich noch heute der rassistischen Praxis des „blackface“. So bezeichnet man Weiße, die sich verkleiden, indem
sie an sich zum Beispiel mit Schuhcreme und Make-up angebliche phänotypische optische Merkmale „Schwarzer“ konstruieren und diese dann karikieren.
Auch Deutschland hat eine Tradition dieser sogenannten „Minstrel-Shows“. Das Verhalten, das dabei an den Tag gelegt wurde, war und ist durchweg erniedrigend (…) Es ist deshalb verständlich, dass Schwarze Menschen die
Fortführung derartiger Demütigungen nicht tolerieren.“
Sie dürfen davon ausgehen, dass z.B. gerade Schwarze Kinder sich auf den Schulhöfen dieser Republik aufgrund eines solchen Spots noch mehr Anfeindungen und herabsetzenden ‘Sprüchen’ ihrer weißen Mitschüler ausgesetzt sehen, als zuvor.
Es ist gerade die Verbreitung solcher ‘Botschaften’, die zum einen nur für Menschen witzig sind, die keine Diskriminierungserfahrungen haben, und zum Anderen den Nährboden für die Fortführung einer rückwärtsgewandten Geisteshaltung bilden, die schließlich im Deutschland des Jahres 2008 immer noch dazu führt, dass sich weiße Bundesbürger, ihren Schwarzen Pendants
überlegen fühlen und einige von ihnen genau hieraus auch immer wieder das Recht für die Durchführung gewalttätiger Übergriffe herleiten. Anstatt also mit Ihrem Spot weiterhin falsche und eben auch gefährliche Signale zu verbreiten, möchten wir Sie dazu anhalten, diese für viele Menschen beleidigende Werbung umgehend off
air und offline zu nehmen, und sowohl die betreffenden Verantwortlichen Ihres Unternehmens als auch die MitarbeiterInnen Ihrer Werbeagentur hinsichtlich Demokratie und Diskriminierung sowie Diversity und Zusammensetzung der Deutschen Bevölkerung und auch bezüglich des Umgangs mit der Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert fortzubilden.
info@
Derbraunemob.de
der braune mob e.V.
media-watch – schwarze deutsche in medien und öffentlichkeit
– http://www.derbraunemob.info –”